Eins vorweg, so der richtige Schraubär bin ich nicht. Dafür gibt es die richtigen Experten. Die folgenden Problemlösungen wurden innerhalb des letzten Jahres in der Mailingliste diskutiert und weitergegeben. Ich habe sie hier nur gesammelt, erhebe also keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.
Meinungen, Verbesserungsvorschläge oder Kritik bitter per Mehl an mich!
Muchas Gracias!
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| Motorrad fährt einige Kilometer, bleibt stehen, funktioniert aber nach einer Pause wieder |
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| Zündungs- und Startprobleme (Schlechtes oder gar kein Anspringen) |
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| Kurzzeitiges Aussetzen eines Zylinders |
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| An der Hinterachse tritt sternförmig Öl aus den Radlagern und setzt sich an der Nabentrommel ab |
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| Wie oft müssen die Ventile eingestellt werden? |
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| Wie können möglichst problemlos die Ventile ausgebaut werden? |
Material:
Selbstherstellung einer Ventilspannzange:
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| Welche Zündkerzen für die URAL? |
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| Öl tritt zwischen Motorblock und Getriebe aus |
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| Späne im Motoröl? |
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| Beide Zylinder werden immer gleichzeitig gezündet, also 1x pro Umdrehung, normal? | Kein Problem, das ist normal (wie bei BMW). Die Nockenwelle läuft mit halber Kurbelwellen-Drehzahl, der Geber hat 2 Magnete und geht direkt auf Doppelzündspule, somit feuern beide Kerzen.
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von URAL Motos España : 30. Juli 2003 / so |
Also zum Thema
Aus dem Bild müßte eigentlich fast alles ´draus hervorgehen.
Das Blech ist ein 0,75mm dickes Stahlblech, sorgfältig ausgeschnitten und ausgeschliffen das es sauber unter das Kurbelwellenstirnrad paßt. Befestigt an 3 Schrauben der Kurbelwellen-Lagerschale. Das Rohr ist handelsübliches 15er Kupferrohr aus dem Installationsbereich. Hat den Vorteil daß man mit einem Innen/Außen-Winkel (so heißen die) sauber die Kurve in Richtung Ablaufbohrung kriegt. Das Rohr wird unten vor der Ablaufbohrung mit Kaltmetall fixiert und mit Dichtungsmasse abgedichtet, geht eventuell auch nur mit Kaltmetall - ausprobieren. Ist auf jeden Fall ´ne ganz schöne Schmiererei. An
dem Blech wird noch eine kleine Schelle angeschweißt die das
Überlaufröhrchen nach oben festhält. Meine Überlegung dabei war, daß das Röhrchen nicht zu klein ausfallen darf, da man ansonsten eventuell im Winter beim Kaltstart Probleme kriegen könnte, wenn das Öl aufgrund des zähen fließverhaltens nur langsam abläuft. Das 15er Rohr müßte eigentlich reichen. Über längere Erfahrungswerte verfüge ich noch nicht. Wie gesagt waren jedoch die ersten Ausfahrten recht vielversprechend. Der Motor läuft ruhig (habe allerdings auch gerade nagelneue Stirnräder drin) und die Öltemperatur wird geringfügig gedrückt. Mit Ölkühler liegt sie jetzt konstant bei 80°C.
Denkt unbedingt nach dem Einbau daran den Ölstand aufzufüllen, da ungefähr
1/4 ltr im Stirnradkasten stehenbleibt. ThorstenQuade ät
aol.com
Bisher war für die Schmierung der Stirnräder das kleine Rohr zuständig. Eine wesentliche Verbesserung der Schmierung, Geräuschdämpfung und Verminderung der Öltemperatur der Stirnräder besteht darin, die vorhandene Ölablaufbohrung soweit nach oben zu verlegen, dass der Ölstand im Gehäuse bis zur unteren Zahnradreihe des Kurbelwellenzahnrades geht. Der Motor ist dazu ausgebaut und die Ölwanne abgenommen. (Ohne Ausbau oder Abbau der Vorderradgagel sind die Schrauben nicht zu lösen. Ein Schlagschrauber ist i.d.R. zwingend erforderlich.)
Die Gussbohrung wird mit einem Spiralbohrer aufgebohrt
Danach mit einem konischen "Blechbohrer" auf das passende Rohrmass erweitert.
Anschliessend erfolgt aussen und innen eine peinliche Säuberung der Aluminiumgussspäne. Ein handelsüblicher Kupfer 90 Grad Bogen wird mit zwei Stücken Kupferrohr (Wasserleitung) wie im Bild gelötet und entfettet.
Das kurze Stück (50mm) wird in die aufgeweitete Öffnung mit dem Gummihammer getrieben. Dabei darauf achten, dass die Kurbelwelle frei drehen kann und nicht am Rohr schleift. Die Fixierung des Rohrbogens übernimmt eine kleine Menge Flüssigmetall ( hitzefest bis weit über jede mögliche Öltemperatur) Der spätere obere Ölstand wird durch die Länge und den Winkel des längeren Rohrendes (60mm) bestimmt. Der Stirnraddeckel lässt sich ohne weiteres wie bisher verschliessen.
ACHTUNG: Der Motor ist mit Spülöl zu reinigen und der Ölfilter zu ersetzen URAL Motos España : 30. Juli 2003 / so
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| Wie bekomme ich Synchrontester auf die Vergaser? |
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| Batteriespannung hält nicht |
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| Wie werden Zierlinien selbst gemalt? | Material:
Vorbereitungen: Zunächst müssen aus den Isolierbandrollen die Linierungen und deren Zwischenräume in den erforderlichen Breiten geschnitten werden. Gleichmäßige Breiten der Bänder erreicht man, in dem man auf eine plane Unterlage der jeweiligen Liniendicke entsprechend dicke Zwischenstücke und darauf dann das Messer legt und festhält. Die Isolierbandrolle wird dann daran entlang geführt. Im Prinzip entspricht das einer Aufschnittmaschine, bei der das Messer fest steht und die Wurst sich dreht. 5 - 6 Schichten des Isolierbands können so gleichzeitig geschnitten werden, ohne das nennenswerte Maßabweichungen entstehen. (Tipp: mit einer Profi-Aufschnittmaschine lassen die gewünschten Breiten aus tiefgefrorenen Isolierbandrollen besonders gut herstellen.) Arbeitsschritte:
[ Quelle: Reinhard Brexel - R.Brexel@Hixtert.swb.de ]
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| Spritverbrauch? |
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| Wo bekommt man Schneeketten für die URAL/DNEPR her? |
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| Welche Reifen laufen am besten auf den Russenboxern? |
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| Vorderrad mit Scheibenbremse ? | So soll es gehen: Radnabe (mit Brems-Scheibe) von Honda CB 750 in URAL-Felge
einspeichen. Dann Bremszange von Yamaha XS 250/360/400 inkl. Bremszylinderarmatur besorgen. Die Klemmfaust für die Lenkermontage muß etwas aufgerieben werden, eine Bremsankerstange muß auch gefertigt werden. Das ganze funktioniert und wird von Ölfuss aus Leverkusen gefahren. Es gab einen Artikel darüber in der "Motorrad-Gespanne".
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| Motor-Montage-Ständer? | Dazu aus dem Baumarkt (Bauhaus) zwei verstellbare Pfostenwinkel gekauft, Kosten: 15,75 je Stück. Das oberste Loch in jedem Winkel aufbohren auf 12mm, damit die Stangen der Motoraufnahme unten durch passen. Die beiden Pfostenwinkelteile werden dann nur noch im passenden Abstand auf den Rest einer Küchenarbeitsplatte (60 x 80 cm gross, 5 cm Dick) geschraubt und fertig ist die Kiste!
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| Auswuchten von Rädern |
Hallo Freunde,
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Inhalt (Themenbereiche):
Ölverbrauch
Ventilspiel
Vergaser
Kardanwelle
Zündung
Elektrik
Fahrkomfort
Federung
Bremsen
Einbau eines anderen Motors
Eines der bekanntesten
Probleme. Es gibt viele Gründe, weshalb die Ural zuviel Öl verbraucht.
Bevor man allerdings den Motor zerlegt und viel Geld in Neuteile
investiert, sollte man sich im klaren sein, daß die Konstruktion des
Uralmotors recht antiquiert ist. Ein moderner Motor vergleichbaren
Hubraums verbraucht so gut wie gar kein Öl, die Ural wurde allerdings
bereits in den fünfziger Jahren entworfen, zu einer Zeit, in der es noch
normal war, daß ein Motorrad ein bis zwei Liter Öl auf tausend Kilometer
verschlang. Das Material, aus dem die Kolben und Zylinder bestehen, ist
von einer veralteten Qualität, entsprechend großzügig sind die Passungen
gewählt, um einem Kolbenklemmer vorzubeugen. Klar, daß auf diesem Wege
eine Menge Schmierstoff in den Brennraum gelangt.
Es kann auch durchaus vorkommen, daß eine neue Maschine anfangs
wesentlich mehr Öl verbraucht, als nach ein paar Monaten, denn der Motor
braucht seine Zeit, die Ölabstreif- und Kompressionsringe einzuschleifen.
Das Werkstatthandbuch erwähnt zum Beispiel, daß es erst nach 10.000
Kilometern (!) möglich sei, das Tragbild der Kolbenringe zu beurteilen.
Diese bestehen aus einem so harten Material, daß sie viel Zeit brauchen,
um sich den Zylinderwandungen anzupassen. (Anmerkung: Ich habe meinen
Motor nach besagten 95.000 km geöffnet. Tatsächlich ist einer der
Kompressionsringe noch immer nicht ganz eingelaufen!) Auch die Bohrungen
der Zylinder sind in manchen Fällen nicht ganz rund und lassen die
Kolbenringe nur an wenigen Stellen korrekt aufliegen. Der vorsorgliche
Schrauber demontiert also zuallererst seine Zylinder und lässt sie neu
honen. Das dadurch entstehende, größere Kolbenspiel ist unerheblich. Bei
dieser Arbeit kann die Fachwerkstatt eventuell die Unrundheit der
Zylinderbohrung feststellen und beheben. Läßt sich diese durch das Honen
nicht beseitigen, liegt vor allem hier der Grund für den erhöhten
Ölverbrauch. Auch nach etlichen Kilometern Einfahrzeit wären die
Kolbenringe nicht in der Lage, diese Lücke abzudichten. Jetzt hilft nur
noch eine Übergröße.
Es gibt Umbausätze, Kolben oder Fahrzeugangebote mit so genannten
„deutschen“ Kolbenringen, mit Sicherheit eine lohnende Sache, meiner
Meinung nach aber reicht ein sorgfältiges Einfahren des Motors völlig aus,
um den erhöhten Ölverbrauch aufgrund undichter Kolbenringe auszumerzen.
Eine weitere Schwachstelle sind die Ventilführungen. Bei der Ural laufen
die Ventilschäfte aus thermischen Gründen mit einem sehr großen Spiel in
den Führungen. Durch diesen Kanal gelangt unter Umständen reichlich Öl aus
dem Zylinderkopf in den Brennraum. Es gäbe natürlich die Möglichkeit,
passende Ventilschaftdichtungen zu montieren. Allerdings würde ich von
einem solchen Versuch abraten, denn die Ventilführungen einer Ural
bestehen nicht wie üblich aus einem sintermetallähnlichen Material,
sonders aus einfachem Stahl, der keinerlei selbstschmierende Eigenschaften
aufweist. Es ist also zwingend notwendig, daß genügend Öl zwischen
Ventilschaft und -führung gelangt. Eine nachträgliche Dichtung würde die
Ventile sehr schnell ruinieren.
Natürlich gibt es auch hier schwarze
Schafe, verzogene, schief montierte oder unrunde Ventilschäfte zum
Beispiel. Meist genügt es, die Ventilfedern auszubauen und mit
feinfühligen Fingern das Spiel zu beurteilen. Ein gut eingeölter
Ventilschaft sollte leicht saugend in der Führung zu bewegen sein. Ein
seitliches Spiel von etwas unter einem Millimeter bei halb eingeführtem
Ventil am Ventiltellerrand gemessen (Augenmaß) ist noch zu tolerieren.
Sollte das Ventil allerdings heftig wackeln, so ist ein Ersatz der
Führungen unerlässlich. Vielleicht könnte man bei diesem Anlass auch
gleich vernünftige Ventilführungen einsetzen, die die Montage einer
Ventilschaftdichtung erlauben. Klemmt das Ventil, so kann man zur Not mit
feiner Ventileinschleifpaste Abhilfe schaffen.
Eine der sinnvollsten
Methoden zur Bekämpfung des Ölschwundes ist es übrigens, sich der Frühzeit
der Automobilisten zu erinnern, zu der es noch keine hochlegierten
Mehrbereichsöle gab. Moderne Öle sind sowohl winter- als auch
sommertauglich und haben den Vorteil, auch bei niedrigen Temperaturen noch
recht dünnflüssig zu sein, um beim Kaltstart möglichst schnell alle
lebenswichtigen Stellen im Motor zu erreichen und einen sicheren Ölfilm
aufzubauen. Beim Uralmotor bedeutet Dünnflüssigkeit allerdings auch
automatisch einen erhöhten Verbrauch, denn je dünner der Schmierstoff ist,
desto mehr schlüpft an Kolben und Ventil vorbei. In jedem gut sortierten
Kfz-Zubehörhandel kann man billige Einbereichsöle für Rasenmäher kaufen.
Diese Motorenöle sind allemal besser als die russischen, mit denen die
Urals und Dnjepr's ja auch hervorragend funktionieren und haben den
Vorteil, schön dickflüssig zu sein. Mit einem SAE 50 Öl im Sommer und SAE
30 im Winter läuft der Motor wunderbar, wird sogar besser gekühlt und
verbraucht gerade in der Warmlaufphase weniger Öl. Unbedingt ausprobieren!
Aber bitte kein Oldtimeröl kaufen, das für 20,- DM der Liter angeboten
wird; das ist reine Verschwendung.
Über dieses Thema haben sich
schon manche Köpfe hitzig geredet. Mancher schlägt abstrus hohe
Ventilspielwerte vor - warum weiß niemand. Auf alle Fälle sind die Russen
nicht doof und man darf getrost den Angaben im Handbuch vertrauen. Auch
wenn 0,05 Millimeter reichlich wenig erscheinen mögen: es ist der richtige
Wert.
Allerdings ist es von größter Wichtigkeit, so oft als möglich das
Spiel zu überprüfen, denn die russischen Ventile neigen dazu, sich im
Laufe der Kilometer in ihre Sitze zu fressen. Und je tiefer der
Ventilteller in die Sitzringe rutscht, desto geringer wird das Spiel.
Zunächst bemerkt man einen Rückgang der Kompression, dann lässt die
Leistung langsam nach und irgendwann wird der Motor lauter, weil vor allem
die Auslassventile nicht mehr vernünftig schließen oder gar verglühen und
die Explosionen im Brennraum ungehindert in den Auspuff ballern.
Auch
wenn man sein Motorrad regelmäßig mit bleihaltigem Benzin betankt lässt
sich der Verschleiß an den Ventilsitzen nicht maßgeblich verhindern,
wieder einmal ist das minderwertige Material schuld. Man könnte natürlich
Ventile und -sitze gegen hiesige Produkte austauschen, jede
Motorenfachwerkstatt kann den Einbau übernehmen. Allerdings reicht ein
einfaches Rechenbeispiel aus, um zu zeigen, daß der sparsame Uralfahrer
den Verschleiß einfach in Kauf nehmen darf: Ein russisches Ersatzventil
ist billig, geht es also kaputt, dann kauft man einfach ein neues. Die
originalen Ventilsitze leben in der Regel wesentlich länger als das
Gegenstück und nehmen auch häufiges Einschleifen nicht übel. Auch die
Ventilführungen halten sehr lange und verkraften locker mehrere neue
Ventile. Wenn man also regelmäßig das Ventilspiel überprüft, kann man mit
einer durchschnittlichen Lebensdauer von vielleicht 20.000 bis 30.000
Kilometer rechnen. Ein westliches Ventil kostet mindestens doppelt soviel
wie das russische und auch der wahrscheinlich notwendige Ersatz der Sitze
kostet viel Geld. Vielleicht muss sogar die Ventilführung ausgetauscht
werden? All das geht in Geld und kostet wenn man Pech hat rund 200 Mark
pro Ventil. Für dieses Geld kann man Jahrelang mit den Originalteilen
herumfahren!
Neben dem Geringerwerden des Ventilspiels gibt es noch ein
Phänomen: Bei einigen Motoren lässt sich das Ventilspiel gar nicht erst
einstellen. Auch wenn man sich noch soviel Mühe macht und den Zwischenraum
zwischen Kipphebel und Ventilschaft auf exakte 0,05 Millimeter justiert;
dreht man den Motor ein paar mal durch, so hat sich der Wert wieder
verändert. Des Rätsels Lösung liegt hier wieder einmal in der schlampigen
Arbeit der Irbiter Fließbandarbeiter. Die Dichtfläche der
Ventildeckeldichtung und die Auflage der Kipphebelböcke werden in einem
Arbeitsgang plan geschliffen, das heißt, der gesamte Kopf wird nach dem
Guss einfach auf eine Oberflächenfräse geklemmt und plan geschliffen. Wenn
der Arbeiter dem Kopf nun zuviel Material abträgt, sitzen die
Kipphebelböcke ein paar Millimeter tiefer im Kopf als normal. Der Effekt
ist nun, daß der Kipphebel nicht nur mit seinem dafür vorgesehen Ballen
auf das Ende des Ventilschaftes drückt, sondern auch mit seinem gesamten
Volumen im Bereich der Kipphebellagerung auf den Ventilfederteller drückt.
Demontiert man einen solchen Kipphebel, so kann man leicht die
Verschleißspuren am Rand des Federtellers und in der Mitte des Kipphebels
erkennen. Auch wenn man das Spiel korrekt einstellt, der Kipphebel
verkanntet bei jedem Herunterdrücken das Ventil und drückt es herunter,
noch bevor das eigentlich dafür vorgesehene ballige Ende den Ventilschaft
berührt. Die Abhilfe ist denkbar einfach: Man muss sich lediglich zwei
gleiche (!) Karosserie-Unterlegscheiben (die großen mit dem kleinen Loch)
besorgen und zwischen Zylinderkopf und Kipphebelbock über die Stehbolzen
schieben. Mit diesem Trick legt man die Böcke wieder höher und vermeidet
ein Berühren zwischen Hebel und Federteller. Es ist von Vorteil, möglichst
große U-Scheiben zu verwenden, damit die Auflagefläche zwischen dem
Kipphebelbock und dem Zylinderkopf ausreichend dimensioniert ist
(schließlich übertragen die Böcke ja auch den Anzugsdrehmoment der
Zylinderkopfschrauben). Allerdings muss man eventuell ein paar Millimeter
an geeigneter Seite der Scheibe absägen, damit diese nicht die nahe
gelegene Stößelstange berührt.
Manchmal passen aber auch die kleinen
Ventilkeile nicht richtig in die Bohrung im Ventilfederteller; sie liegen
zu tief und der Rand der Federn liegt weit oberhalb des Ventilschaftendes.
Das ist entweder ein Herstellungsfehler oder Verschleiß. In diesem Falle
erreicht ein optischer Vergleich mit den anderen Ventilen. Fällt auf, daß
die kleinen Keilchen ungewöhnlich tief im Federteller liegen, sollte man
sich einfach Ersatz beim Uralhändler beschaffen. Denn zu tief liegende
Keilchen lassen den Federteller höher als das Ventilschaftende rücken und
wieder drückt der Arm des Kipphebels gegen den Federrand.
Auch der Vergaser einer Ural
gehört zu den oft bemängelten Teilen. Ich habe mir wie so viele andere
einen Satz 30er Del’Orto besorgt und trotz aller Bemühungen es nicht
geschafft, sie zufrieden stellend am Motor zu befestigen. Die dazu nötigen
angewinkelten Ansaugstutzen nehmen zuviel Platz weg, als daß man seine
Füße noch bequem auf den Fußrasten platzieren könnte, ganz zu schweigen
von der Schlauchverbindung zwischen Vergaser und Luftfilter.
Erfreulicherweise gibt es inzwischen bei beinahe jedem Uralhändler
Umrüstkits auf Mikunis inklusive Ansaugstutzen aus Gummi. Ich habe sie
noch nicht ausprobiert, denn meiner Meinung nach sind die Originalvergaser
gar nicht so schlecht wie ihr Ruf. Ein maßgebliches Problem ist das
Vergaserpatschen, das sich vor allem auf die mangelhafte Wärmeisolierung
zwischen Vergasergehäuse und Zylinderkopf zurückführen lässt. Eine etwas
dickere Dichtung (ca. 5mm) wirkt hier bereits Wunder. Allerdings feit
diese Dichtung nicht vor Überhitzung nach langen Fahrten oder an heißen
Tagen. Mittlerweile gibt es Ansaugstutzen aus Gummi oder hässliche
Hitzeschilder, die einfach ausgetauscht werden müssen. Aber was soll’s,
wenn der Vergaser ein wenig patscht?
Ärgerlicher ist da die ewige
Asynchronität, die Notwendigkeit, alle Nase lang an den Einstellschrauben
der Bowdenzüge zu drehen.
Hier liegt die Lösung im Detail: Bei der Ural
führen zwei sehr lange Züge vom Gasgriff zu den Vergasern. Die russischen
Gaszüge bestehen aus einem sehr dehnungswilligen Material und verändern
mit der Zeit und abhängig von der Außentemperatur ihre Länge. Wem es
gefällt, der kann sich einen Harley-Davidson-Gasgriff oder irgendeine
andere Armatur für Zolllender besorgen, die nur einen Gaszug aufnimmt.
Beim Händler für englische Motorräder kann man sich nun einen Adapter
besorgen, der auf der einen Seite einen einzelnen Gaszug aufnimmt und auf
der anderen Seite in zwei Züge verteilt. Ein solcher Verteiler kostet um
die 20,- DM und man kann ihn geschickt in Höhe des Zündspulengehäuses
unterbringen. Im Fahrradzubehörhandel kauft man sich nun ein paar
Zentimeter Bremszüge und entsprechende Nippel. Die originalen
Verstellschrauben und Bowdenzugführungen an den Vergasern kann man wieder
verwenden. Es bedarf ein wenig Übung, die selbstgefertigten Bowdenzüge
vernünftig zu längen und zu löten, aber die Mühe lohnt sich
Die getrennten Vergaserzüge geraten mit dieser Methode wesentlich kürzer
und dehnen sich nicht mehr soweit aus, daß die Vergaser asynchron werden.
Ob der lange Gaszug vom Vergaser zum Verteiler sich längt oder nicht, ist
nun ohne Bedeutung. Bei meiner Ural hat sich diese Investition von etwa
40,- DM bezahlt gemacht, ich muss die Vergaser nur noch alle 5.000 bis
6.000 km neu einstellen.
Des weiteren empfiehlt es sich, neue
Dichtungen aus Gummi für die Schwimmerkammer zu besorgen, denn die
Originaldichtungen geben schnell den Geist auf und lassen den guten Sprit
auf die Straße tropfen. Aber das ist eine Kleinigkeit.
Bei einer Ural hält eine Kardanwelle je
nach Fahrstil zwischen 20.000 und 30.000 km. Wer es liebt, mit
quietschenden Reifen anzufahren, muss schneller Ersatz besorgen als der
gemütliche Fahrer. Schuld ist die Verzahnung zwischen der eigentlichen
Welle und dem Mitnehmerflansch, der in die Hardyscheibe eingreift. Diese
Feinverzahnung besteht aus einem so weichen Material, daß sie sich
irgendwann einmal runddreht und die starre Verbindung zwischen Schalt- und
Hinterachsgetriebe trennt. Abschmieren oder Ölen dieser Verbindung ist
nicht empfehlenswert, da somit die Reibung zwischen den Teilen vermindert
und ein Überspringen der Verzahnung erleichtert wird. Als lieber hoffen,
daß die beiden Teile zusammenrosten...
Mit viel Geschick kann man sich
eine Dnjepr-Welle passend machen, denn deren Verzahnung ist grob und
stabil genug. Aber die Kardanwell ist nicht sehr teuer und schnell
gewechselt. Nur auf langen Strecken sollte man sicherheitshalber eine
Ersatzwelle im Gepäck haben.
Es gibt zwei verschieden
Systeme: zum einen die klassische Variante mit Kontakten und
Zündzeitpunktverstellung per Fliehkraftregler, zum anderen die
elektronische Ausführung mit Induktionsgeber und Blackbox (unter dem
Fahrersattel montiert). Grundsätzlich ist eine kontaktgesteuerte
Zündanlage nicht verkehrt, allerdings bedarf sie reichlich Wartung und oft
klemmt der Fliehkraftregler. Ural liefert sogar Ersatzfliehkraftregler
aus, die ab Werk so schwergängig sind, daß man sie nur noch wegwerfen
kann.
Die elektronische Zündanlage ist hier wesentlich zuverlässiger.
Bei meiner Ural überlebte sie sogar als einziges elektrisches Bauteil
einen Kollaps des Lichtmaschinenreglers, der die Bordspannung ins
unermessliche steigen ließ und alle Glühbirnen im Fahrzeug zerstörte. Nur
die Blackbox verkraftete die Spannung jenseits der 24 Volt.
Eine
elektronische Zündung muss nur ein einziges Mal eingestellt werden.
Entgegen einer mechanischen Kontaktzündung ist eine statische
Voreinstellung mit Prüflämpchen nicht möglich und erfolgt per Eichstrichen
auf dem Rotor und der Grundplatte. In der Praxis sind diese Striche
allerdings nicht sehr genau. Eine Feinjustierung mit Stroboskoplampe ist
unerlässlich aber sehr schwierig, da die Zündfolge sehr schwankend ist und
der Markierungsstrich auf der Schwungscheibe stark zittert.
Erstaunlicherweise ist der Abstand zwischen Rotor und Sensor
sehr entscheidend für einen runden Motorlauf. Der im Werkstatthandbuch
vorgeschriebene Abstand ist hier nur ein Richtwert. Sollte der Motor
gerade im unteren Drehzahlbereich rucken oder unrund laufen, so sollte man
experimentell den Abstand vergrößern oder verkleinern bis das Problem
beseitigt ist. Allerdings dürfen sich Rotor und Sensor niemals berühren!
Die Zündspule einer Ural liegt im selben Gehäuse wie die Zündanlage: an
der Stirnseite des Motors. Diese Zündspule ist nach guter alter Sitte mit
schellackgetränktem Gewebe isoliert, welches Temperaturschwankungen und
Vibrationen nicht besonders gut verkraftet. Gerade wenn man oft lange
Strecken fährt oder einen übermäßigen Verschleiß an Zündspulen bemerkt,
sollte man mit dem Gedanken spielen, die Zündspule an anderer Stelle am
Rahmen zu befestigen oder besser noch: eine andere Spule einbauen. Eine
Umrüstung auf zwei 12Volt-Zündspulen ist aus spannungstechnischen Gründen
nicht sehr erfolgreich. Da eine BMW-Doppelzündspule viel zu teuer ist,
empfehle ich eine Enten-Spule vom Schrottplatz. Auch wenn ich gehört habe,
daß diese sich nicht immer mit der elektronischen Zündung verträgt, fahre
ich seit über 70.000 Kilometern sehr erfolgreich mit dem französischen
Produkt.
Grundsätzlich ist die Elektrik einer Ural sehr
robust. Allerdings führt auch hier wieder das schlechte Material zu vielen
Ärgernissen. Vor allem die Kabel neigen zu extremer Korrosion. Bei einer
Ural, die nur draußen geparkt wird, gammeln die Kupferseelen der Kabel
gerne bis zu einem halben Meter an den Kabelenden unter der Isolierung!
Bei solchen Problemen hilft nur der Austausch des gesamten Kabelbaums
gegen einen Selbstgeschneiderten. Bei einer solchen Aktion könnte man auch
gleich die Kabelquerschnitte überdenken, denn schon der Austausch des
Scheinwerfereinsatzes gegen H4-Licht (handelsüblicher Einsatz passt)
überlastet die Leitungen. Die Kabelverbindungen bei einem solchen
Kabelbaum sollte man dann auch gleich verlöten und alle Schraubkontakte
mit Batteriepolfett gegen Korrosion schützen. Schlimm ist auch der
Sicherungskasten am Lenkkopf, der ständig Kontaktschwierigkeiten hat:
austauschen! Dieses Thema ist sehr individuell. Kleine Menschen
werden sich auf einer Ural schnell zu Hause fühlen. Bei größeren Leuten
(über 1,70m) stört der geringe Abstand zwischen Fußrasten, Lenker und
Fahrersattel. Die Fußrasten lassen sich trotz ihrer Drehbaren Befestigung
nicht sonderlich verstellen, Schuld daran ist die Hinterradbremshebelei,
die die rechte Fußraste in ihrer Beweglichkeit stark einschränkt.
Der Regler einer Ural ist bei modernen Fahrzeugen elektronisch, ansonsten
sieht er eher wie ein klobiger Stromzähler aus. Über Probleme mit dem
mechanischen Regler kann ich aus Erfahrungsmangel nicht viel berichten.
(Ich schlachte gerade eine 1988 Ural aus und werde eben diesen
mechanischen Regler verwenden - mal schauen...) Der kleine elektronische
Regler allerdings brachte mich schon zur Verzweiflung. Obwohl ich keine
Mängel an der gesamten Fahrzeugelektrik, insbesondere an der LIMA
feststellen konnte, hielt dieser Regler meistens nur ein paar Wochen,
bevor das Kontrolllämpchen im Scheinwerfer wieder einen Totalausfall
anzeigte. Ein preiswerter Ersatz ist zum Beispiel ein Regler aus einer
Ente. Man sollte aber einen solchen wählen, bei dem man das Gehäuse öffnen
kann, um gegebenenfalls Einstellungen vorzunehmen.
Leider hat dieser Regler nur einen Kontakt für die Feldspule der LIMA, so
daß kein Anschluss für die Ladekontrollleuchte vorhanden ist. Ein
Amperemeter oder auch ein Voltmeter ist aber auf jeden Fall ein besserer
Ersatz für die Kontrolllampe.
Nach dem Austausch gegen einen Fremdregler muss zunächst die Batterie
geladen und anschließend ein Spannungsmessgerät angeschlossen werden
(sofern man bereits kein Voltmeter am Fahrzeug montiert hat). Bei
laufendem Motor überprüft man nun die Abriegelspannung des neuen Reglers,
die bei 14,5 Volt liegen sollte. Übersteigt die Bordspannung diesen Wert
oder liegt gar darunter, muss der Regler eingestellt werden. Beim
Ente-Regler geschieht dies mittels der kleinen Einstellschraube, die gegen
die Laschenfeder des Kontaktes drückt. Ist die Maximalspannung korrekt,
kann man die Einstellschraube mit einem Tropfen Lack gegen Verdrehen
sichern.
In manchen Fällen neigt der Kontakt des Entereglers zum Verbrennen
aufgrund starken Funkenflugs. Ein Kondensator hilft hier weiter. Nähere
Informationen zu Größe und Beschaffenheit des Kondensators folgen in
Kürze.
Auch der Lenker lässt sich nicht allzu leicht austauschen, denn er hat
kein übliches Maß. Es ist weder ein Zollenker (25,4mm), noch ein 22mm
Rohr, sondern ein „gemogeltes” Zollmaß mit 25mm Durchmesser. Mit etwas
Mühe lassen sich allerdings die Lenkerhalterungen und Armaturen auf eine
passende Größe erweitern; nur der Gasgriff und die Schalter werden nicht
mehr passen, sie müssen ausgetauscht werden (siehe auch VERGASER). Den
Fahrersattel kann man mit einem Schweißgerät und zwei passenden Flacheisen
getrost um zehn Zentimeter nach hinten verlegen, die Knie werden es einem
danken.
Es gibt viele Uralfahrer,
die gerne ein Vorderradschwinge hätten. Und dann gibt es die Fahrer mit
Schwinge, die lieber eine Telegabel einbauen würden. Beides hat seine Vor-
und Nachteile. Die Telegabel neigt zum Verwinden und somit zu einem
„schwammigen“ Fahrgefühl, die Schwinge ist eigentlich wesentlich
geeigneter für den Gespannbetrieb, allerdings ist sie bei der Ural falsch
konstruiert. Die Vorderradachse liegt deutlich tiefer als der Lagerpunkt
des Schwingenarmes. Bei langsamer Fahrt funktioniert die Schwinge noch
ganz akzeptabel, bei hohen Geschwindigkeiten allerdings neigt sie eher
dazu, aus- anstelle einzufedern, da der Druck beim Überfahren eines
Schlagloches anders auf die Schwinge einwirkt als bei Schneckentempo. Es
gibt nur drei Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen: 1. Austausch gegen etwas
kürzere Federbeine (Vorsicht: Veränderung des Fahrwerks, Verlust der ABE,
Abnahme beim TÜV erforderlich, ja ja...), 2. Verlagerung der oberen
Federbeinaufnahmen um vier bis fünf Zentimeter nach oben (Vorsicht:
Veränderung des Fahrwerks, Verlust der ABE, Abnahme beim TÜV erforderlich)
und 3. der Einbau einer Telegabel unter Inkaufnahme des schwammigeren
Fahrverhaltens.
Im Übrigen ist der Austausch aller Federbeine gegen kürzere und bessere
ratsam, das Fahrverhalten bessert sich schlagartig!
Die Uralbremsen sind ein
Phänomen: obwohl sie in ihrer Konstruktion durchaus großzügig
dimensioniert und robust sind, bremsen sie so gut wie gar nicht. Während
man der Hinterradtrommel und der Beiwagenbremse durch sorgfältiges
Einfahren durchaus vernünftige Verzögerungswerte abgewinnen kann, fällt
gerade die wichtige Vorderradbremse durch ihr mieses Verhalten auf.
Prinzipiell ist eine Duplexbremse dieser Größe kräftig genug, um ein
Gespann anzuhalten - warum das bei der Uarl nicht funktioniert ist mir ein
Rätsel. Ein Sorfältiges Einstellen der Bremsbacken, der Verbindungsstange
zwischen den beiden Bremsschlüsseln und ein Austausch gegen einen
stabileren Bowdenzug verbessern die Bremswirkung zwar wesentlich, führen
aber dennoch nicht zu befriedigenden Ergebnissen.
Als geschickter Bastler ist es möglich, den hinteren Bremsschlüssel
umzubauen, so daß er spiegelverkehrt funktioniert, also nicht nach hinten
sondern nach vorne gedreht werden muß, um die Backe anzupressen. Wenn man
nun die Verbindungsstange entfernt und den hinteren Hebel mit einer
Abstützung für die Bowdenzugummantelung versieht, funktioniert er nach dem
Prinzip der alten BMW-Bremsen: Der Bowdenzug zieht den vorderen Hebel nach
hinten, während die Ummantelung den hinteren Hebel nach vorne drückt.
Beide Bremsschlüssel haben so die Möglichkeit, die Bremsbacken bis zum
Anschlag gegen die Trommel zu drücken, wobei sich das Spiel von selbst
justiert. In Verbindung mit besseren Belägen (kann man bei manchen
Bremsenwerkstätten aufkleben lassen) bringt dieser Umbau den gewünschten
Erfolg - ist aber so aufwendig, daß man gleich über den Einbau einer
Scheibenbremse nachdenken kann. Für knapp 900,- DM werden solche bereits
passend für die Ural angeboten. Das ist viel Geld, ich werde an dieser
Stelle in Kürze über eine Selbstbau berichten, der inklusive TÜV-Abnahme
aber auch nicht billiger werden dürfte.
Ein Uralmotor, der sauber läuft, ist ein
sehr zuverlässiger und problemloser Begleiter. Bedingung für ein langes
Leben ist allerdings eine angemessene Fahrweise. Wer seine Ural auf
Langstrecken bewegt, sollte hohe Drehzahlen meiden. Theoretisch läuft eine
Ural über 110km/h - nur sie würde dies nicht lange durchhalten. Der Motor
hat große thermische Probleme, die man durch Umrüstung auf einen Ölkühler
und eine größere Ölwanne beheben könnte. Nur: niemand weiß, wie sorgfältig
Kurbeltrieb und Kolben ausgewuchtet wurden! Eine höhere
Reisegeschwindigkeit bedeutet automatisch auch eine höhere Belastung durch
Drehzahlen/Vibrationen. Eine Reisegeschwindigkeit von maximal 90km/h
verkraftet der Motor problemlos. Auf der Autobahn wird man aber schnell
zum Verkehrshindernis, da bekanntlich selbst die Lkw weit über den
vorgeschriebenen 80km/h fahren.
95.000 KILOMETER - EIN RESÜMEE
Das meiste dazu habe ich ja bereits weiter oben
geschrieben. Dennoch kann ich mir nicht verkneifen, über den inneren
Zustand des Motors zu berichten. Ich war absolut erstaunt, als ich das
Aggregat öffnete und keinerlei oder nur minimalen Verschleiß an Kurbel-
und Nockenwelle, an den Stirnrädern oder an den Stößeln finden konnte. Ich
werde den Rumpfmotor nicht überholen müssen!
Wer also wirklich reisen möchte, muß dies abseits der Autobahnen tun
(macht eh mehr Spaß) oder sich nach einem anderen Triebwerk umsehen. Es
gibt viele Umbauten auf BMW-Motoren. Auch meiner Meinung nach gibt es kaum
einen besseren Gespannmotor, als einen alten BMW-Boxer. Nur sind diese
Motoren teuer und haben oft mehr PS als der Uralmotor. Der Rahmen mag
diese Mehrleistung verkraften, das Getriebe und vor allem der Achsantrieb
sind Leistungen jenseits der vierzig PS allerdings nicht mehr gewachsen.
Der Einbau eines anderen Motors, auch der eines BMW-Boxers, ist
allerdings alles andere als einfach. In der Regel müssen die
Rahmenunterzüge gespreizt, eine Adapterplatte zum Getriebe konstruiert und
die Kupplung umgebaut werden.
Ein Rahmenumbau ist dabei das größte Problem. Unsachgemäße Schweißnähte
verändern die Struktur des Metalls - während die Naht eigentlich immer
hält, neigt das Rohr neben der Schweißverbindung zum Brechen. Ein Rahmen
leidet vor allem durch die Vibrationen und Kippneigung des Motors beim
Lastwechsel. Ein solcher Eingriff sollte also nur mit Absprache des TÜV
vorgenommen werden. In der Praxis ist es schwierig eine TÜV-Stelle zu
finden, die sich für solche Arbeiten begeistern lässt. Man sollte also bei
verschiedenen Prüfstellen nachfragen, bevor man überhaupt mit der Arbeit
beginnt. Ich glaube, es gibt nur noch wenige TÜV-Prüfer, die sich mit
Eigenbauten oder Umbauten auskennen und sich sogar noch dafür begeistern
können. Heutige Motorradfahrer basteln nicht mehr... Und wenn man Pech
hat, kassiert der TÜV für die Abnahme eines kompletten Selbstbaufahrzeugs,
das kann in die tausende gehen! Das Problem liegt in der Definition eines
Eigenbaus und dessen Unterschied zu einem Umbau.
Ich selbst habe mich mit einen Umbau auf einen Ente-Motor beschäftigt.
Das Triebwerk des Citroen 2CV ist ein kleiner 600er Boxer mit Luftkühlung
und rund 28 PS. Die Maximaldrehzahl liegt etwas über der des Uralboxers,
somit dürfte das Gespann bei Vollgas etwas über 115km/h laufen. Mit vier
PS weniger Leistung als der Uralmotor werden Getriebe und Achsantrieb
geschont und wenn der Boxer eine 600kg schwere Ente bewegen kann, wird er
es bei einer Ural auch schaffen. Ein besonderer Vorteil dieses Motors ist
vor allem der zentrale Vergaser, der alle Sorgen um eine vernünftige
Synchronisation vergessen lässt und die absolute Vollgasfestigkeit.
Probleme bereiten allerdings die Dimensionen der gewaltigen Ölwanne, die
einen Totalumbau des Rahmens bedeuten. Der Motor selbst ist etwas kleiner
als der Uralmotor; der Zentralvergaser hat genug Platz im Rahmen. Die
Schwungscheibe ist groß genug für die Uralkupplung und eine geeignete
Adapterplatte überbrückt den Zwischenraum zum Uralgetriebe. Weitere
Vorteile sind der Ölkühler und die Möglichkeit, die Pkw-LIMA und sogar den
elektrischen Anlasser zu montieren.
Ich muß zugeben, daß ich dieses Projekt wieder eingestellt habe. Ich
hätte den Rahmen um ca. sieben Zentimeter verlängern müssen. Das ist nicht
weiter schwierig, der TÜV hätte diesen Umbau allerdings
höchstwahrscheinlich als Eigenbau eingestuft. Das würde bedeuten: Baujahr
2000, aktuelle Abgasnormen, Abgasgutachten, Einzelabnahme, DM 1500 für den
TÜV...
Sollte irgendjemand diesen Artikel lesen und einen Entemotor in seiner
Ural haben, möge er sich bitte melden. Das haben inzwischen sogar schon
einige getan. Erstaunlich, daß es noch mehr Uralfahrer gibt, die diese
Idee hatten.
Ich habe mir jetzt einen Uralmotor eines älteren Modelles besorgt.
Meinen alten Motor werde ich überholen und auf einen Ölkühler umrüsten.
Solange tut's der andere (neue/alte) auch.
Ich werde den Leser ständig auf dem Laufenden halten. Sollte jemand
bereits einen solchen Umbau realisiert haben, so möchte er sich doch bitte
bei mir melden. (meister@schrauberseite.de)
Die Zylinderköpfe allerdings gehören auf den Schrott. Einer der Kolben
hatte sich durch einen Kompressionsringbruch dermaßen deformiert, daß sich
eine Nut für die Ringe aufs doppelte(!) geweitet hatte. Die Zylinder waren
von daher auch nicht mehr die besten.
Die Kupplung hatte ihre Verschleißgrenze schon lange überschritten und
kann getrost komplett ausgetauscht werden. Drei Stoßdämpfer waren trocken
gelaufen und extrem schwergängig. Das Kegelrollenlager im Lenkkopf war
ebenfalls verschlissen. Das hintere Radlager machte bereits Geräusche. Das
war's!
Insgesamt waren neben etlichen Reifen und Litern an Öl oder Kleinteilen
wie Lenkkopflager, Glühbirnen und Kabeln eigentlich nur eine neue
Kardanwelle, zwei Kolben und zwei Regler notwendig, um jeden Tag fahren zu
können. Abgesehen von diversen Umbauten musste ich also knappe 500,- für
Ersatzteile investieren. Ein teuflisch guter Schnitt! Nun gut, ohne eigene
Schrauberkenntnisse, vorsichtiges und schonendes Fahren und vor allem viel
Glück, wäre dies nicht möglich gewesen.
Natürlich kann es vorkommen, daß einige der Schraubertips nicht unbedingt den TÜV-Bestimmungen entsprechen. Man sollte sich also, bevor man zum Werkzeugkasten greift, vor Ort erkundigen, was denn der Fachmann dazu sagt. Wir wissen alle, daß die Streuung der Genauigkeit der TÜV-Prüfer untereinander genauso groß ist, wie die der besagten Motorradwerke...
Viele der kommenden
Ratschläge stammen aus erster Hand - der Autor fährt seit vielen Jahren
und Kilometern eine nur wenig modifizierte Ural und durfte seine
einschlägigen Erfahrungen machen - manches gelangte aber nur über
Mundpropaganda auf diese Schrauberseite, wir können also keine
Erfolgsgarantie geben. Wie gesagt, jede Ural ist anders und ich freue mich
über jeden Hinweis, der dazu beitragen, diese Seite (und das zukünftige
Buch) zu vervollständigen, so daß sie eines Tages zu einem kompletten
Werkstatthandbuch herangereift sein wird. Schreibt mir unter
meister@schrauberseite.de
Vor allem, eines möchte ich noch erwähnen:
Der Ural-Neuling möge sich bitte aus dem Kopf schlagen, einen BMW-Nachbau
erworben zu haben! Auch wenn viele Russenfahrer aufwendige
„BMW-Nachbau-Aufkleber“ an ihr Motorrad montieren: die einzige
Gemeinsamkeit zwischen den bajuwarischen Edelmotorrädern und unseren
russischen Eisenhaufen ist der Boxermotor als solches, und dieses
Konstruktionsprinzip haben noch viele andere Fahrzeughersteller verfolgt.
Es gibt kaum ein BMW-Teil, das an eine Ural passt, abgesehen von
Rückspiegeln oder Fußrasten.
Die Gliederung dieses Ratgebers richtet sich nach
Stichworten, nicht nach Baugruppen. Nervt einen beispielsweise der
übermäßige Durst an Schmierstoffen, so schaue er unter „Ölverbrauch“ nach,
ermüden die Knie auf langen Strecken, so ist das Kapitel „Fahrkomfort“
aufzuschlagen.