Das Dilemma, in welchem Du steckst,
taucht immer wieder auf und eine richtige Antwort darauf hat es noch nie
gegeben. Diese steckt nämlich schon in Deiner eigenen Formulierung. Wenn
Dich das "Flair des vollkommenen Wahnsinns" wirklich richtig gepackt hat,
dann frag doch nicht, ob es Sinn macht, darin einzutauchen. Tauche...oder
laß es sein!
Das war quasi der tiefenpsychologische Aspekt Deiner
Frage. Zu Deiner Schlußfolgerung aus den Beiträgen dieses Forums muß man
natürlich sagen, dass es sich hier eben um ein "Problemforum" handelt und
man solidarisch (manchmal schwer erarbeitetes) Wissen über auftretende
Probleme austauscht.
Kaum jemand wird ständig Jubel-Arien darüber veröffentlichen, wieviel Spaß
ihm die letzte (pannenfreie) Ausfahrt bereitet hat. Den hat man eben. Und
bei wem dieser Spaß die anderen Probleme in den Hintergrund treten läßt, der
bleibt bei seiner (Haß)-Liebe. Die anderen verscherbeln entnervt ihre
einstigen Hoffnungsträger bei ebay oder anderswo.
Die Vergangenheit hat mehrfach bewiesen, dass es eben
aus diesen Gründen auch völlig sinnlos ist, eine wiederholte Diskussion über
die Un/Zuverlässigkeit der Russen- u. Chinaböller loszutreten. Es kommt eben
darauf an, wo Deine eigene Schmerzgrenze liegt. Einer Japan-Qualität kann
man sich vielleicht über Jahre hinweg durch ständiges Bemuttern seiner
Liebsten annähern, beim Kauf voraussetzen kann man sie nicht! Vor allem
nicht bei Gebrauchtkauf aus unsicherer Quelle!
Es ist ja nicht nur so, dass technologischer Stand und
Aussehen etwa dem der 50-iger Jahre entsprechen. Man muß die Maschinen auch
dementsprechend fahren (und die Einfahrvorschriften einhalten). Das will
heißen, auch im Kopf muß man das akzeptieren und eben mit 70 oder 80 Sachen
auf der Landstraße glücklich sein. Heizen verboten!...und immer etwas Gespür
für die Belastungsgrenze oder "Wohlfühlgeschwindigkeit" der Maschine
aufbringen. Dummerweise erkennt man diese in schlechtesten Fall erst dann,
wenn es zu spät ist und manche Leute merken es eben nie.
Und wenn man mit einem Stundendurchschnitt von 50 bis
55 Kilometern unterwegs ist, dann kommt man auch ohne ständige Pannen nicht
auf Laufleistungen, wie man sie von Solomaschinen oder HighTec-Gespannen
kennt. Meine persönliche Schmerzgrenze liegt z.B. bei ca. 400 km pro Tag.
Mehr wird zur Qual, denn das sind eben 8 reine Fahrstunden und bei
entsprechender Streckenführung kann das zur Schwerarbeit werden. Deshalb
kann man durchaus seinem Urlaub damit machen (2001/2500 km/Schwarzwald,
2002/1500 km/Masurische Seen und auch dieses Jahr wieder mit Dnepr in's
Riesengebirge und den Harz, mit Frau und vollem Gepäck für 2 Wochen). Das
funktioniert auch ohne Pannen.
Langer Rede kurzer Sinn, Du hast zwei Möglichkeiten.
1. Sieh zu, dass Du irgendwo Probe fahren kannst und
hole Dir den Virus (oder nicht) und kaufe so ein Teil entweder bei einem in
der Szene anerkannten Händler oder nimm Dir zum Gebrauchtkauf einen
"Kundigen" mit und tauche ab....
2. Erkundige Dich bei einem Gespannbauer, ob an Deine
geliebte SR500 ein leichter Seitenwagen anzubauen geht. Dann hast Du alles
was Du eigentlich willst, japanische Qualität und Zuverlässigkeit, Deine "Verwöhn-SR"
und ein Gespann...
Conrad Schmidt
Ein weiterer (nicht ganz ernst gemeinter) Denkansatz.....von
Michael
Es gibt Menschen, die fahren moderne, zuverlaessige
Motorraeder. Sie kaufen sie bei ihrem Haendler, den sie dann kaum wieder
sehen. Vielleicht zu einer Inspektion, aber was soll da schon gemacht
werden? Oel ausgetauscht, das wie neu aussieht und dann noch ein paar
Fantasiearbeiten, damit etwas auf der Rechnung steht. Zuendkerzen nach
100.000 km oder so. Und sie fahren und fahren mit ihren schoenen Maschinen.
Alleine und immer geradeaus, denn es hat jemand den Weg freigemacht.
Ganz anders hingegen der Besitzer eines russischen
Motorrades. Ein Fahrzeug, das fabrikneu auf dem Tiefpunkt seiner Existenz
steht und einer Wiederbelebung harrt. Schwarzes Oel tropft aus undichten
Gehaeusen, obwohl die Maschine noch nie gelaufen ist. Liebevoll wird sie zu
den ersten Umdrehungen ueberredet, was in der Regel einige Monate dauert.
Dann geht es los, aber nie weit. Von wegen an Menschen und Landschaft
vorbei! Nein, mittendrin ist der Russenfahrer. Er pflegt Kontakte zu
Herstellern von Produkten, die es garnicht mehr gibt. Lernt interessante
Menschen kennen und die oelige Seite unserer Gesellschaft. Kopfschuetteln,
wo immer er eine Panne hat, dann interessierte Blicke und letztlich
Schulterklopfen, Haribotuetenknistern, Bierflaschenploppen. Angerauchte
Zigarettenkippen beginnen zu wandern. Greise schieben ihren Gehwagen auf die
Strasse und beginnen von laengst vergessenen Kriegen zu erzaehlen. Die
Nachbarn nehmen erstaunt zur Kenntnis, dass diese Leute ueberhaupt noch
leben.
Die lange Vorfreude und das kleine Fest, wenn die
wichtigen Ersatzteile eintreffen. Oft sind sie zwar schlechter, als die
kaputten, die man weggeworfen hat, aber wie schoen sind sie doch verpackt!
In eine russische Zeitung eingewickelt mit fremden Schiftzuegen, die weites
Land und billigen Tabak erahnen lassen. Wodka sowieso. Oder unlaengst die
seltsame Wellendichtung - sogar mit chinesischen Schriftzeichen.
Gedankenverloren ertappt man sich dabei, wie man mit stinkendem Getriebeoel
die fremdartige Schrift auf den Garagenboden malt. So wird der Kontakt zu
fremden Kulturen hergestellt - spielerisch sozusagen. Gedichtet hat die
Dichtung zwar nicht, aber wer wird denn so spiessig sein, wenn sich gerade
ein neuer Horizont aufgetan hat!
Jetzt 'mal ehrlich - was bedeutet ein Fahrzeug, das
lediglich anspringt und faehrt im Vergleich zu einem derartigen
Kulturgewinn????